The Walking Dead 8×16 Review

Szenenfoto aus The Walking Dead 8x16 © Gene Page / AMC.com

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In einem hoch emotionalen Staffelfinale wird der Krieg gegen die Saviors überraschend schnell und deutlich beendet. Gleichzeitig werden in The Walking Dead 8×16 die Weichen für die Zukunft gestellt, in der sich die Geschichte grundlegend verändern und ein kompletter Neuanfang anstehen könnte. Aber nicht für alle endet der Krieg so, wie gewünscht. Kommt es in der nächsten Staffel zu Reibereien innerhalb der verbliebenen Gruppen? Von Mitgliedern, von denen man das nicht erwartet hätte? Die Serie verspricht, auch weiterhin sehr interessant zu bleiben (oder wieder zu werden, je nach Sichtweise).

Wir beginnen mit Rick, der Baby Gracie zudeckt, als Siddiq dazu kommt. Endlich hat Rick die Kraft, Siddiq nach den genauen Umständen des Walker-Bisses zu fragen, der zu Carls Tod geführt hat. Siddiq erzählt ihm von seiner verstorbenen Mutter und ihrer Annahme, dass man die Untoten beseitigen müsse, um ihre Seelen frei zu geben. So hat Carls Tod eine zusätzliche Tiefe bekommen und Siddiq erinnert Rick daran, dass nur die Erinnerungen und die Wünsche und Träume der Toten bleiben. Etwas plakativ, aber Rick hat die Botschaft wohl verstanden.

Szenenfoto aus The Walking Dead 8x16 © Gene Page / AMC.com

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Draußen bereiten sich die im Hilltop vereinten Gruppen auf das „letzte Gefecht“ vor, jeder auf seine Weise. Daryl, Maggie, Rosita und Michonne gehen zusammen mit Rick und Carol nochmals die Karte durch, die Gregory mitgebracht hat. Sie sind sich unschlüssig, ob sie nicht in eine Falle laufen. Morgan hat derweil wieder einen seiner Ausraster, als er beinahe die „übergelaufenen“ ehemaligen Saviors angreifen will. Rick rät ihm, zurück zu bleiben, da er offensichtlich nicht in der besten Verfassung ist. Morgan will weiter machen. Er entgegnet, Rick und er wären in schlimmerer Verfassung als jemals zuvor. Sie hätten beide schlimme Dinge getan und das läge daran, dass sie alles verloren hätten. Rick ist der Meinung, sie hätte nicht alles verloren und sieht die Chance für einen Neuanfang. An dieser Stelle von mir einen Szenenapplaus für die schauspielerischen Qualitäten von Lenny James. Ich werde Morgan vermissen, wenn er zu Fear the Walking Dead gewechselt ist!

Im Sanctuary sind die meisten Saviors damit beschäftigt, ziellos in der Gegend herumzulaufen. Dazwischen stehen Negan und Dwight, der jetzt das formschöne Sackleinen-Outfit trägt, welches einst Daryl in seiner Zelle tragen musste. Nachdem Negan ihn ordentlich runtergemacht hat, wird er von Laura nach draußen zu den bereitstehenden Fahrzeugen gebracht. Er soll das Ende seiner neuen Freunde hautnah miterleben. Jetzt kommen Eugene und Father Gabriel hinzu. Eugene berichtet Negan von der Fertigstellung der gewünschten Munitionsmenge, alle handverlesen und von Eugene persönlich geprüft. Außerdem schlägt er Negan aus strategischen Gründen vor, seine Leute in einer Reihe aufzustellen und ihre Feinde alle auf einmal auszuschalten. Hmmm. Dann reicht er Negan einen geladenen Revolver zum Test der Patronen, welchen dieser zufrieden grinsend auf eine Strohpuppe mit einem „Rick“-Shirt leert. Alles scheint vorbereitet.

Als sie dann alle drei im Auto sitzen offenbart Negan seinen Plan. Er hat eine kleine Gruppe seiner (bzw. Simons) Männer zu einer bestimmten Stelle geschickt, welche im gefälschten Plan eingezeichnet war. Dort sollen sie von Rick abgefangen werden, bei der Gelegenheit einen (abermals gefälschten) anderen Plan offenbaren, wo dann die Falle in der Falle zuschnappt. Clevere Idee. Und ganz schön kaltblütig.

Und so geschieht es auch. Ricks Gruppe tötet die vorausgeschickten Saviors und findet wie geplant die „neue“ Karte. Sie begeben sich nun genau dorthin, wo Negan sie haben will. Dabei sehen sie aus der Entfernung eine gigantische Herde von Walkern.

Im Hilltop nähert sich derweil eine andere Gruppe von Saviors dem Schutzwall. Tara, die offenbar als temporäre Anführerin dort gelassen wurde, evakuiert sofort alle Leute durch einen unterirdischen Geheimgang und versteckt sich im nahen Wald. Alden, einer der übergelaufenen Saviors, bietet seine Hilfe an, welche Tara auch zögerlich zulässt. Als sie die näherkommenden Feinde dann unter Beschuss nehmen wollen, explodiert plötzlich rund um die Saviors herum der Boden – es sind die Damen aus Oceanside, die doch noch ihren unvermeidbaren Auftritt bekommen! Sie bewerfen die Feinde mit Molotow-Cocktails, während Tara und die anderen mit ihren Gewehren Deckung geben. Damit wäre diese Situation entschärft.

Alles andere als entschärft ist die Lage bei Rick & Co. Sie sind mittlerweile auf einem weiten, offenen Feld unterhalb eines Hügelkamms angekommen, als sie das wohlbekannte Pfeifen von Negans Leuten hören. Plötzlich tönt auch Negans Stimme aus einer Reihe von Lautsprechern über die Wiese. Negan klärt Rick noch freundlicherweise darüber auf, dass erst Eugenes handwerkliche Fähigkeiten mit der Munition diesen Tag möglich gemacht haben. Zaunpfahl, ick hör dir winken… Auch verliert auch noch ein paar Worte zu Dwight und Father Gabriel, bevor er diese exekutieren will, als Startschuss für den Angriff.

Szenenfoto aus The Walking Dead 8x16 © Gene Page / AMC.com

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Negans Leute kommen mit erhobenen Waffen über die Spitze des Hügelkamms und eröffnen das Feuer auf Rick, Maggie, Jesus, Ezekiel und all die anderen! Aber… schon mit dem ersten Schuss explodieren ihre Waffen in ihren Händen und töten oder verletzen ihre Besitzer! Eugene hat ganz offensichtlich die Munition präpariert, was auch Negan schlagartig klar wird, als er sich an der Hand verletzt, mit der er eigentlich Gabriel erschießen wollte. Es entsteht ein wildes Handgemenge und auch Ricks Leute reagieren blitzschnell und knöpfen sich die restlichen Saviors vor. Diese merken aber sehr schnell, wie aussichtslos ihre Lage ist und ergeben sich.

Außer Negan, natürlich. Dieser trifft zu einem letzten Zweikampf auf Rick, bei dem Baum mit den daran hängenden Kirchenfenstern (?), den wir in der allerersten Episode von Staffel 8 schon gesehen haben. Gerade als Negan mit Lucille Rick den Rest geben will, bittet dieser um 10 Sekunden („für Carl“), um ihm seine Vorstellung einer friedlichen Zukunft darzulegen. Dabei bezieht er sich auf Carls letzte Wünsche und Negan treten sichtlich Tränen in die Augen. Rick nutzt plötzlich die Gelegenheit eiskalt aus, um Negan mit einer Glasscherbe die Kehle aufzuschlitzen! Negan schaut ungläubig, greift sich an den Hals und kippt dann blutend zur Seite. Haben die etwa wirklich gerade Negan getötet?!?!

Szenenfoto aus The Walking Dead 8x16 © Gene Page / AMC.com

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Natürlich nicht. Als Rick sich umdreht, haben sich alle anderen um ihn versammelt. Er ruft Siddiq zu sich und bittet ihn, Negan zu retten. Das gefällt Maggie natürlich überhaupt nicht und sie muss von Michonne zurück gehalten werden, um nicht selbst Negan an die Gurgel zu gehen. Rick nutzt die Gelegenheit für eine emotionale Ansprache, in der er verkündet, der Krieg wäre vorbei. Alle – ALLE – sollten jetzt heimgehen, auch die Saviors. Es wird jeder gebraucht, um die neue Welt zu schaffen. Die wahre Bedrohung sind immer noch die Walker, wie er mit einer Geste in Richtung der massiven Herde unterstreicht. Es muss für alle eine Zukunft geben, in Gemeinschaft. Dann geht Rick zurück zu dem Baum und es folgt die Szene aus der Staffelpremiere letzten Oktober, wo er unter Tränen den Satz „meine Gnade überwiegt meinen Zorn“ zitiert.

Das Königreich, Hilltop und auch das Sanctuary finden in der Folge zu einer friedlichen Koexistenz, in der jeder jedem hilft, die Wunden zu heilen und Zerstörtes wieder aufzubauen. Daryl hat jedoch noch eine Rechnung mit Dwight offen und fährt mit ihm zu einem abgelegenen Waldstück. Dieser ist sich voll bewusst, dass er nun sterben wird und entschuldigt sich nochmal für alles. Daryl ist sichtlich hin und her gerissen, wirft ihm dann aber den Autoschlüssel zu und ermahnt ihn, so weit weg wie möglich zu fahren und niemals zurück zu kommen. Andernfalls würde er ihn töten. Bevor sich Daryl zum Gehen wendet, sagt er noch „Finde sie, mach es wieder gut“, wobei er Dwights Frau Sherry meint. Später sehen wir Dwight dann bei dem Haus ankommen, in dem er seinerzeit für Sherry eine Botschaft hinterlassen hatte. Er findet dort auch die Antwort von ihr, ein Zettel mit der Aufschrift „Flitterwochen“ und dem Unendlichkeitssymbol.

Also alles Friede, Freude, Eierkuchen? Nicht ganz, denn im Hilltop sitzt Maggie in ihrem abgedunkelten Büro und eröffnet Jesus gegenüber, dass Rick Recht damit hatte, die übrigen Saviors nicht zu töten, denn sie hätten viel Arbeit vor sich und bräuchten jede Unterstützung. Allerdings hatten Rick und Michonne Unrecht damit, Negan am Leben zu lassen. Sie würden abwarten, bis sich alles normalisiert hat und dann werden sie es Rick und Michonne zeigen. Daryl tritt aus dem Schatten und stimmt ihr zu. WTF?

Szenenfoto aus The Walking Dead 8x16 © Gene Page / AMC.com

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Negan liegt angebunden auf der Krankenstation. Rick eröffnet ihm, dass seine Bestrafung wäre, von einer dunklen Zelle aus dabei zuzusehen, wie sie eine neue, friedliche Zivilisation erschaffen. Er wird am Leben bleiben um mitanzusehen, dass sich Dinge ändern können. Michonne ergänzt, dass er vielleicht auf diese Art doch noch zu etwas gut sein könnte. Als mahnendes Beispiel, wie Dinge nicht funktionieren.

Morgan hat die Gemeinschaft verlassen, weil er alleine sein muss. Er begibt sich zur Mülldeponie und erklärt Jadis, dass sie gerne in der Gemeinschaft willkommen wäre, falls sie das wünsche. Er selbst würde nicht zurückgehen, er müsse alleine sein. Jadis überlässt ihm ihr Reich und verrät ihm noch ihren richtigen Namen, Anne.

In der letzten Szene von Staffel 8 sehen wir einen jüngeren Rick in seiner Officer-Uniform mit einen sehr jungen Carl an seiner Hand einen Weg entlang spazieren. Der ältere Rick liest aus dem Off einen Brief an seinen Sohn vor. Er sagt ihm, dass er sich daran erinnere, wie sie gemeinsam spazieren gingen. Er wüsste nun zum ersten Mal, wer er wäre und dass Carl es war, der ihn zur „neuen Welt“ gebracht hätte. Carl machte sie real, das weiß er. Daran wird er sich erinnern.

PERSÖNLICHES FAZIT

Wow, was für ein Abschluss. The Walking Dead 8×16 fühlte sich fast nicht wie ein Staffel-, sondern wie ein Serienfinale an. Ab hier kann jetzt alles passieren, nicht umsonst hat Showrunner Scott Gimple davon gesprochen, dass diese Episode den Schlussstrich unter die letzten acht Staffeln ziehen würde. In der Tat sind alle wesentlichen Handlungsfäden geschlossen worden und es könnte eine neue Ära bevorstehen, in dem die Errichtung einer neuen Zivilisation angesichts der immer noch präsenten Walker-Bedrohung im Vordergrund steht. Dass es nicht zu harmonisch wird, deutet der Konflikt zwischen Maggie und Rick bereits an. Aus Sicht von Glenns Witwe verständlich, aber wieso macht Jesus da mit? Und Daryl wendet sich gegen seinen besten Freund? Das wirkt noch nicht ganz glaubwürdig, mal abwarten, wie sich das entwickelt.

Meine Bewertung: 4,5 von 5 Sternen.

WEITER GEHT ES VORAUSSICHTLICH IM OKTOBER 2018

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